Wo liegt das Anbaugebiet Gaillac ?
Grob gesagt liegt es zwischen dem Bordeaux und dem Languedoc-Roussillion. Es hat direkte Berührung mit den anderen Gebieten Quercy, Minervois und Fronton.
Ca. 70 km nord-östlich von Toulouse und umfaßt praktisch den gesamten Nord-Westen des Departements Tarn (81). Es gehört regionsmäßig zum Midi-Pyrénées und Weingebietsmäßig zählt es zu den "Vignobles_sud_ouest".
Wieso findet man so selten Wein aus dem Gebiet ?
Zum einen liegt es daran, daß fast sämltiche Weinpflanzen durch eine Kältekatastrophe 1956 erfroren sind. Davon konnte sich das Gebiet zuerst nicht erholen und verpasste die goldene Zeit des Welt-Wirtschaftswunders. Der Anschluß an die normale Massenwirtschaft war verpasst. Heute erweist sich das als Glück, denn da eine Wiederbepflanzung erst nach ~20 Jahren Qualitäten produziert, konnten sich die Winzer wieder auf alte Tugenden und Erfahrungen konzentrieren. Erst langsam werden außerhalb Frankreichs die Leute auf das Gebiet, daß seit Jahrhunderten einen hervorragenden Ruf genießt, wieder darauf aufmerksam.
Seit wann wird dort Wein angebaut ?
Dokumentarisch belegt ist es das älteste Weinanbaugebiet Frankreichs (64 v.C.). Lange vor Beginn des Weinbaus um Bordeaux wurde über Tarn und Garonne gaillac'scher Wein über das Meer in Amphoren verschifft.
Mit welchen Rebsorten wir dort Wein angebaut ?
Das Gebiet bietet dem Weinliebhaber durch seine letzten 10 Jungewöhnliche Vielfalt angebauter Reben eine breite Palette an verschiedensten Weinen. Es werden mindestens 32 verschiedene Sorten gezählt auf einem Gebiet von der Größe des deutschen Franken-Anbaugebietes.
Von diesen 32 Sorten muß man 14 als reinrassige autochtone Rebsorten klassifizieren, d.h. sie sind von Anfang an hier ansässig und die meisten sind seit dem typischer Weise hier verarbeitet worden oder aber sind anderswo, wie die Negrette, ein Synonym für diese Gebiete geworden.
Mittlerweile wird durch Genanalysen am oenologischen Institut in Montpellier immer weiter aufgedeckt, welche Reben nicht weiter zurück zu führen sind und welche doch aus schon kultivierten anderen Sorten gekreuzt sind. So sagen letzte Ergebnisse eindeutig, dass die Syrah und der Duras doch auf andere Rebsorten zurück gehen. Durch diese Ergebnisse wird erneut eine Diskussion angestoßen, welche Reben denn nun wirklich als autochton zu bezeichnen sind. Streng genommen sollten es Reben sein, die auf keine anderen Kulturreben zurück zu führen sind und in dem Gebiet, aus dem sie originär stammen, bis heute - oder rekultiviert wieder - angebaut werden.
Gibt es dort biologische Anbauer ?
Der Anbauverband Nature & progrès ist dort unten stark vertreten. Insgesamt zählen wir dort 7 Mitglieder, Dazu kommen drei biodynamische Anbauer, vier EU-Bio Anbauer und zur Zeit 8 Güter in Umstellung. Damit vereinigen sich flächenbezogen auf diesem kleinen Gebiet mehr Winzer die nach biologischen Richtlinien arbeiten als auf jedem anderen in Europa.
Wie groß im Verhältnis zu deutschen Anbaugebieten ist das Gaillacgebiet ?
Auf einer Anbaufläche von 2900ha werden über 30 verschiedene Rebsorten angebaut mit denen rund 120 offiziell registrierte Winzer ca. 150000 hl Wein produzieren.
Damit ist es größer als der Rheingau aber kleiner als das Nahe-Gebiet.
Kann man das Gebiet dem Mittelmeerbereich zuordnen ?
Nein. Durch die perfekte Abgrenzung durch Auvergne und Montagne Noir sind hier besondere klimatische Verhältnisse vor zu finden. Die Gegend registriert im Jahresdurchschnitt gesehen das wärmste Klima in Frankreich und liegt relativ geschützt, so daß die großen Gewitter und Stürme hier immer viel gemilderter verlaufen.
Ich kenne mehrere Weine aus dem Gebiet und fand sie sehr schwer. Sind ihre auch in der Art ?
Generell kennzeichnend für die Weine aus dem Gebiet ist die große Fülle und ein oft erheblicher Tanninanteil. Natürlich kommt es wie in jedem anderen Gebiet auch auf die individuelle Machart des Winzert und die saubere Verarbeitung an. Wir versuchen mit unserer Auswahl Weine zu präsentieren, die die charakteristischen Eigenschaften der einzelnen Reben besonders gelungen darbieten. Deshalb sind von den 120 registrierten Winzern des Gebietes, auch nur so wenige im Angebot zu finden. Hauptaugenmerk bei der Auswahl ist die Qualität des Gesamtkonzeptes.
Gestern habe ich zum ersten Mal einen Gaillac getrunken und wurde an meine Lieblingtraube Tempranillo erinnert - sind die Reben aus dem Gaillac damit verwandt ?
Das kommt darauf an. Wie bei Adam und Eva gibt es auch bei den Weinen einen genetischen Stambaum. Alle Weine stammen vom Kreuzdorngewächs (Rhamnales) ab. Diese spaltet sich in drei Familien von denen die der Vitaceae die Gattung Vitis begründet. Durch die Chromosomenanzahl unterscheiden sich dort 2 Gattungen von denen die mit 19 Chromosomen (Euvitis) ca. 50 Unterarten bildet wovon die der Vitis vinifera sativa zu etwa 10000 Edelrebsorten führt. So gesehen muß man irgendwo einen Pflock einschlagen von wo aus man dann fragt. Da viele dieser Sorten durch Kreuzungen entstanden sind ist das vielleicht der Ausgangspunkt für die Suche. Abgesehen davon gibt es durch die Vielfalt an Reben in diesem Gebiet viele Verschnitte die tatsächlich einem guten Tempranillo geschmacklich ähnlich sein können. Besonders die wilde Fruchtigkeit des Braucol bietet dafür eine gute Grundlage.
Was ist der Unterschied zwischen einem deutschen Eiswein und den Edelsüßen aus dem Gaillac ?
Man könnte vielleicht vergleichend sagen, der Edelsüße aus dem Gaillac liegt genau dazwischen und unterscheidet sich in einer Hinsicht machmal erheblich : dem Restzuckergehalt. Geerntet werden die Reben für die Edelsüßen hier meist im Oktober/November. Es kann aber auch wagemutige Winzer geben, die es bis Februar hinausziehen und dann alle 8 Jahre einmal Glück haben. Die Reben sind weder wie beim Eiswein dem Frost ausgesetzt, häufig auch nicht wie bei der Trockenbeerenauslese von einem Pilz (Botrytis) veredelt. Heraus kommen Fruchtaromabomben der Extragüte. Alkohol um die 10/13 Prozent, Restzuckergehalt bei den Doux 50-120 und für die Liqoureux 80-460!!! g/L. Von den bekannten Sauternes unterscheiden sie sich durch die größere Variation an Rebsorten. Ebenso wir dort werden Savignon und Muscadelle benutzt, hinzu kommen aber auch Mauzac, Len de l'Oeil, Ondenc und Chardonnay. Die dadurch ermöglichte Vielfalt sollte niemanden uninteressiert lassen der es gerne süß mag.
Manche Weine haben seltsame Namen. Sind das Phantasienamen ?
Nicht wenige unserer Winzer sind streibare Kerle. Sie nennen ihre Weine Insolonce "Frechheit" oder Dissidence "Widerspruch" (im Sinne von Querdenker, Andersdenker, öffentlich gegen allgemeine Meinung oder politische Macht), setzen ihren Weinen Clownsmasken auf oder lassen Mäuse darauf herum tanzen. Sie gründen Vereinigungen die den staatlichen oft sinnentleerten Bevormundungen entgegen treten und eine Rückbesinnung auf ursprüngliche und nachhaltige Qualitäten zur Disskussion stellen. Das äußert sich auch in den Qualitäten dieser Weine. Sie sind oft wild und detailreich, geben viel Anlaß und Anregungen, einer gewissen Eintönigkeit der genormten globalen Geschmacksgleichschaltung zu entkommen.
Ich kann keinen Gaillacwein in meinem Weinführer finden. Sind die Weine nicht würdig genug ?
Selten verirrt sich ein Gaillac in diese Annalen. Wie in unserem Haupttext schon erwähnt : bei ca 500.000 Weinsorten ist es schwer einen repräsentativen Querschnitt auf zu zeigen. Und die meisten Kritiker probieren was auf "dem Markt" zu haben ist oder was ihnen zugeschickt wird. Keiner unserer Winzer hat ein Interesse daran, und für den normalen Markt ist das Gebiet wegen der geringen Produktionsmengen und der Lieferprobleme meist nicht handhabbar. Also ist ein "nicht dort getestet worden" kein Zeichen für mangelnde Qualität sondern für ein "nicht probiert worden sein". Es gibt aber relevante Größen für eine Qualitätsbestimmung der angebotenen Produkte aus dem Gaillac. So ist der alte kulinarische Papst Jean-Pierre Coffe der die jahrelang eine wöchentliche kulinarische Radiosendung auf France Inter hatte die heutige Referenz. Mehrmals war Plageoles dort zu Besuch und einige Male kam in der Weihnachtssendung der Ratschlag, Ausschau nach den Mousseux aus dem Gaillac zu halten. Wem kann man mehr vertrauen als diesem Kenner der französischen Küche. Oder einer der Drei-Sterne-Köche : Michel Bras. Er ist ständiger Gast im Hause Plageoles und macht sein Restaurant auch schon einmal zu um sich mit seiner 60-köpfigen Belegschaft dort zur Erntezeit helfend ein zu finden.
Im Internet kann ich keine Bewertungen finden die mir sagen welche Jahrgänge im Gaillac gut waren. Gibt es bei Ihnen eine Liste ?
Rigeros nein. Warum ? Durch die sehr unterschiedlichen Microklimata in diesem kleinen Anbaugebiet kann keine generelle Aussage getroffen werden. Zudem kommt erschwerend und glücklicher Weise hinzu, das die verschiedenen Reben alle anders auf Jahresverläufe reagieren. Und da in diesem Gebiet über 30 verschiedene Reben zu finden sind, in drei unterschiedlichen Hauptlagen, auf vier verschiedenen Bodenbeschaffenheiten und in mehreren klimatischen Nieschen, kommen wir auf ungefähr 1000 Möglichkeiten, die nicht unter einen Hut zu bringen sind. Dann kommen noch Verschnitte als Varianz hinzu.
Wir sind vor Ort und sehen über das Jahr täglich den Jahresverlauf in Echtzeit. Mehrere Besuche bei den Winzern in verschiedene Stadien der Wachstumsphase und ein Kosten der ersten Abfüllungen garantieren uns, entscheiden zu können, welcher Wein in genau diesem Jahr gut ist. Außerdem wäre eine solche Liste ohne Bedeutung, da man die Jahrgänge meist nur im Abfülljahr kaufen kann. Alles ist danach ausverkauft und zudem wird auf den Listen leider nicht automatisch verändert, wie sich die Jahrgänge bei Lagerung verändern.
Wie stellen Sie die Qualität des Sortiments sicher ?
Wir pflegen gute Verhältnisse mit unseren Winzern. Diese gehen aber nicht so weit, daß wir jeden Jahrgang und jede Sorte unbesehen im Program führen. Es gibt eine dreistufige Kontrolle. Vor Ort ist ständig jemand anwesend, der die Verläufe im Jahr beobachtet. Klima, Unwetter, Besonderheiten auf dem einzelnen Gut. Zwei Wochen nach den Abfüllungen werden erste Proben getestet und mit den Aufzeichnungen des Jahresverlaufs verglichen, um eine Einschätzung der Entwicklungsmöglichkeiten ab zu schätzen.
Dann werden die Weine in einer ersten Probe im engeren Kreis unter Augenschein genommen. Stimmt die Qualität, wird er zur Endprobe zugelassen. Diese prüft, ob der Wein zwei Bedingungen erfüllt :
Bei der ersten Einschätzung in der Probe sollten die Weine folgenden Ansprüchen genügen :
Wenn ich einen guten Wein lagern möchte, muß ich mir dafür einen klimatisierten Weinschrank kaufen ?
Das wäre ideal, ist aber auch sehr teuer. Wichtigste Regel bei der Weinlagerung ist die Konstanz der Temperatur. Ewige Wechsel von mehreren Grad rauf oder runter sind nicht unbedingt der Tod, aber kitzeln nicht das aus dem Wein heraus, was drin stecken könnte. Wenn Sie es also schaffen in einem Keller in einer isolierten Kiste einen Temperaturbereich von +- 1/2 Grad, einigermaßen konstant zu halten, wäre das gut. Dann ist es weniger entscheidend, ob es 12, 14 oder gar 16 Grad sind. Eine niedrigere Temperatur hat dann noch den Vorteil, den Korken nicht so schnell aus zu trocknen, der dann schrumpft und eine Oxydation ermöglicht. Eine ausreichende Luftfeuchtigkeit kann da sehr helfen.
Eine weitere Regel : je sorgfältiger der Wein produziert wurde, desto stabiler ist er. Wurde wegen drohendem überhöhtem Alkoholgehalt die Fermentation künstlich abgebrochen, sollten Sie die Weine nicht sehr lange lagern. Dann können die Temperaturschwankungen die alkoholische Gärung wieder in Gang setzten. Ideal lagerbare Weine sollten also vollständig ausgegoren sein und über wenig Restzucker verfügen.
Anders liegt die Sache bei den Edelsüßen. Dort wirkt der Zucker wie bei Confitüren konservierend. Und warum fängt da die Gärung nicht wieder an ? Weil die Schwefelung bei den Süßen per se viel höher ist, als bei den Roten und eine Oxidation und Nachvergährung verhindert.
Warum kosten manche eurerTafelweine so viel wie andere AOC-deklarierte ?
Die Deklarationen VdT (Vin de Table), AOC (Appelation origine Controllee) ab 2009 AGP, VdP (Vin de Pays) ab 2009 IGP und VDQS haben rechtliche Auflagen. Diese Auflagen sind definierte Regeln verschiedenster Hinsicht. Generell erfüllen so deklarierte Weine die Vorgaben. Im Regelwerk gibt es keine Qualitätskriterien und somit können keine Rückschlüsse auf die Qualität gezogen werden.
Jeder hat auch Erfahrungen gemacht die das belegen. Der AOC für 3,95 den man besser erst gar nicht geerntet hätte, oder wer zu den glücklichen gehört, ein Vin de Table aus dem Minervois für über 40 Euro der jeden Cent wert ist.
In unseren Listen tauchen einige VdT auf. Wie im großen Text schon erwähnt lehnen sich die Winzer gegen Richtlinien die Qualität unberücksichtigt lassen und Innovation verhindern auf. Wenn Plageoles seine perfekten monocepagen kredenzt, monocepagen aber laut AOC-Decret nicht AOC sein können, kann der Wein also nur VdT deklariert werden. Ebenso verhält es sich mit Rebsorten die dort nicht aufgeführt werden. Inzwischen ist der früher hier erwähnte Prunelart in die AOC-Liste für Gaillac aufgenommen worden. Insgesamt sind allerdings nur 15 von den hier vorkommenden 32 Rebsorten gelistet. Jeder Wein der also die nicht gelisteten Sorten enthält, kann niemals AOC deklariert werden. Egal ob Parker ihm 120 Punkte gegeben hätte.
In der Flasche ist ganz viel Satz. Kann ich den Wein noch trinken ?
Satz, Depot oder auch Weinstein bildet sich, wenn der Wein während der Lagerung zu kalt wird. Die Weinsäure kristallisiert aus und bildet eine Ablagerung. Die Kristalle schmecken wie mild-saure Drops und werden durch erhöhte Temperaturen nicht wieder aufgelöst. Eine der großen Investitionen bei den Winzern ist deshalb eine gut isolierte Lagerhalle. Wegen der Kosten ist das nicht immer vor zu finden.
Uns sind keine Vergleiche bekannt, in denen belegt wird, daß ein und derselbe Wein mit und ohne Weinstein anders schmeckt.